Der Film Eyes Wide Shut erklärt

Kurz zusammengefasst ist der Film eine Parodie auf die obere Mittelschicht. Jene Menschen, die denken, sie haben alles verstanden, haben den Gipfel des materiellen Erfolgs in der Gesellschaft erreicht und sehen sich doch leer und innerlich ausgebrannt.

Genau das ist die Situation, in der sich das “It-Pärchen” aus Tom Cruise und Nicole Kidman bzw. Bill und Alice im Film wiederfindet. Dr. Bill ist dabei wohl eine Anspielung auf die US-Dollar Note Bill und Alice auf “Alice im Wunderland” und fasst die Situation kompakt zusammen.

Was dem Pärchen bleibt, ist der gelegentliche Dope-Ausbruch in die Jugend und die ewige Frage “Was wäre wenn ?”. Und beiden ist schon im Moment des Aussprechens klar, dass sie es doch nie wagen würden.

Stanley Kubrick und das Okkulte

Im Zentrum des Schaffens von Stanley Kubrick stehen die zentralen Fragen des Menschen an sich. Woher kommen ich, wohin gehe ich und was ist der Mensch. Die beste, mögliche Antwort darauf, gibt vielleicht der deutsche Philosoph Heidegger mit seiner Lehre vom “Dasein”.

Ich bin zwar aber ich bin auch da, woraus sich Dasein ableitet. Gemeint ist damit, dass der Zustand des Menschen in dieser Welt temporär ist und daher Materialismus letztendlich niemals glücklich machen kann.

Die Antwort, die Kubrick selber gibt, findet sich am Ausführlichsten in seinem Meisterwerk Odyssee 2001. Er zeichnet das ursprüngliche harmonische Bild eines höheren Menschenaffen, der nach der Verdunkelung der Sonne die Orientierung verliert, Gewalt entdeckt und Hierarchien aufrichtet.

Der moderne Mensch entwickelt sich dann, nach Kampf mit dem personifizierten Bösen HAL 3000 weiter zu seiner Bestimmung dem Sternenkind. Die schwarze Kleidung der Okkultisten, ist also als Trauer über den Fall des Menschen aus seinem harmonischen Urzustand zu sehen. Orgien früher auch Saturnalien dienen dazu, diesen ursprünglichen harmonischen Grundzustand kurzfristig wiederherzustellen oder auf dem Weg zur Selbstgöttlichkeit gänzlich zu überwinden.

Insofern sind die Szenen in abgedunkelten Räumen symbolisch für den derzeitigen Zustand der Welt zu verstehen. Das eine abdeckte Auge bzw. die Nachteule zeigt, dass manche immer noch sehen können, die sich folglich Illuminati oder Lichtmenschen nennen, während die anderen von uns seit ungezählten Generationen in der Dunkelheit gefangenen sind.

Die Symbolik der maskierten Menschen oder des Maskenballs drückt aus, dass wir selber nicht so sehr leben, als dass, ein Engel oder das göttliche Licht durch uns lebt. Die Maske ist ein Sinnbild für das persönliche Ego repräsentiert durch Dr. Bill, gefangen zwischen Konsum und unerfüllter Liebe, der Kostümball stellt folglich die Welt dar.

Oder um es mit Nitzsche zu sagen „Gott ist tot, daher muss der Mensch zum Übermensch werden“, zumindest scheint das, die Sichtweise der Eliten im Film.

Das Flirten mit der Elite

Als Dr. Bill auf der Weihnachtsfeier seines ultrareichen Patienten Victor Ziegler erscheint, erhaschen wir einen Blick auf Dekoration und erspähen dabei den achteckigen Stern des Ishtar, besser bekannt als Venus, die Göttin der Lust und des Kriegs. Wenn man die Liebe Stanley Kubricks zu feinen Details kennt, weiß man, es handelt sich dabei um keinen Zufall.

Ishtar, Venus oder im griechischen Kybele ist eine durch und durch materialistische Göttin und im Zusammenhang mit den vorherigen, frustrierenden Weihnachtseinkäufen, wieder eine nicht so ganz subtile Kritik am Konsumerismus.

Während sich also Bill und Alice auf der Weihnachtsfeier trennen, werden sie unabhängig voneinander in Versuchung geführt. Alice trifft Sandor Szavost, eine Anspielung auf den Gründer der Church of Satan Anton Szandor LeVay der über Ovid und die „Kunst der Liebe“ referiert während Bill einen Flirt mit einem Model beginnt, die ihn ans “Ende des Regenbogens” mitnehmen möchte.

Der Regenbogen wird im Film des öfteren erwähnt und ist ein uraltes Symbol für die Verbindung zwischen Gott und Mensch, er gilt dabei als „Pfad der Götter“. Man denke bspw. an den Bund, den Gott mit dem Menschen nach der Sintflut. Hier wirft Kubrick den Eliten vor, sich selbst zu Göttern machen zu wollen, also den sprichwörtlichen “Pfad zur linken Hand” zu gehen.

Das “Ende des Regenbogens” spielt auf die Vergöttlichung des Menschen an, wenn auch nur zeitweilig mithilfe rituelle Praktiken. Im Kontrast dazu stehen die hellen Weihnachtslichter, die das Gebäude ausleuchten und von Okkultisten als „Feuer der Hölle“ verstanden werden, da sie Welt als Gefängnis und Gott als den Wärter wahrnehmen.

Der Weg zum Ritual

Nach dem oberflächlichen und unaufrichtigen Geplenkel auf der Weihnachtsfeier und einem sehr ernüchternden Gespräch mit seiner Frau, indem sie das Fremdgehen zumindest im Gedanken einräumt, trifft Bill auf einen alten Bekannten und Musiker Nck Nightingale. Nightingale also Nachteule, wie erwöhnt ein Vogel der im Dunkel sehen kann und eine Andeutung, wohin die Reise gehen wird.

Nach einem Gespräch nennt der Musiker Ort und Passwort des Treffens “Fidelio” nach der gleichnamigen Oper Beethovens, die vom Selbstopfer einer Ehefrau für die Freiheit ihres zum Tode verurteilten Ehemanns handelt. Womit der weitere Verlauf der Handlung schon vorweggenommen wird. Im Kostümverleih angekommen, besorgt sich Dr. Bill eine Maske um sich zu dem vom Musiker genannten Veranstaltungsort zu begeben.

Während Bill versucht sich hinter seiner Karnevalsmaske in die Menge zu mischen, wird er allerdings gleich erkannt und wir bekommen einen kurzen Rundgang durch das Gebäude, bis er schließlich vor ein Tribunal gestellt wird. Und wie das Password Fidelio bereits ankündigt, entscheidet sich eine der Anwesenden die Strafe auf sich zu nehmen und wird später, wie später angedeutet, tot aufgefunden.

Bill wird aufgefordert die Veranstaltung zu verlassen und kann entkommen.

Das Ende von Eyes Wide Shut

Wieder zurück in seinem gutbürgerlichen Spießer-Leben erfährt Bill vom Tod Amandas, dem Model von der Weihnachtsfeier und mutmaßlichen Lebensretterin bloß aus der Zeitung, in der von einer Überdosis geschrieben wird.

Wohl gleichzeitig eine Kritik an den Zuständen in Hollywood und der Berichterstattung in den Medien. Stanley Kubrick selbst ist wenige Tage nach der Fertigstellung des Rohschnitts verstorben. Der Film wurde posthum veröffentlicht.

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