Game of Thrones und der moderne Kult der Kybele

Die sechste Staffel der extrem populären Fernsehserie „Game of Thrones“ hatte vor allem ein Ergebnis, den Triumph der Frauen. Im Osten möchte die lesbische Yara Greyjoy die erste Frau auf dem Thron der Eiseninseln werden, im Süden erklärt Ellara Sand, dass schwache Männer nie wieder in Dorne herrschen werden, im Norden verfüttert Sansa Stark den tyrannischen Ramsay Bolton an seine Jagdhunde und im Westen duellieren sich Cersei Lannister und Daenarys Targaryen mit ihren Drachen um den „Eisernen Thron“.

Was auf den ersten Blick, wie fünf verschiedene Figuren wirkt, ist letztlich nur eine Einzelne und die nennt sich Kybele, die mörderische Mutter mit ihren Heer aus Eunuchen und Monstern ein uralter Archetyp, der auf die Frühzeit der Menschheit zurück geht und für den sich Europa mit den Beginn der Moderne bewusst entschieden hat. Nur ist das nicht der einzige Blick den man auf die Welt haben kann.

Kein Gott außer dem Tod

Es gibt keinen Gott außer dem Tod und es gibt nur eines, das wir zu ihm sagen: Nicht heute.

ist die Theologie Stunde, die der Fechtmeister Syrio Forel der heranwachsenden Arya Stark gibt. Und das ist was die heutige moderne durchtränkt und der Apostel Paulus mit den Worten zusammenfasst „Und wenn die Toten nicht auferstehen, so lasst und doch heute essen und trinken.“ Im Grunde ist das keine europäische Weltsicht, sondern eine vorderasiatische, man könnte auch Ishtar, Venus oder Luzifer sagen, die Göttin von Krieg und Zerstörung der unbedingte Glaube an die Heiligkeit der Materie, das umgedrehte Pentagramm, dass den Körper über die Kräfte von Seele und Geist setzt. Im Grunde bereitet das Kybele eine Reihe von Problemen, sie kann immer nur zerstören und niemals erschaffen und weil sie eben steril ist, befinden sich in ihrer Priesterschaft nur Eunuchen und Monster.

Im Austausch für ihre seelischen und geistigen Kräfte ist Kybele im materiellen unendlich schlau, man könnte auch sagen berechnend und zynisch und nicht ohne Grund ist das Symbol Luzifers auch die Schlange. Entscheidend dabei ist, dass der Weg Kybeles eine Entscheidung ist, die der Westen mit Beginn der Aufklärung getroffen hat und es ist einer von drei Wegen den man gehen kann.
Der zweite Weg ist der Weg von Orpheus oder Dionysos, der Weg der Seele und der Schönheit, von Wein, Weib und Kunst. Dionysos ist kein Kostverächter aber er interessiert sich weniger fürs Geld, sondern mehr, was man darum kaufen kann. Vor die Wahl gestellt, zu herrschen oder in fremden Ländern exotische Gifte zu studieren, würde er wohl das zweitere Wählen. Dionysos befindet sich schon außerhalb der akzeptierten Gesellschaft und das ist genau, wo Magie beginnt. Den Dionysos findet man am in den Werken Nietzsches, wo Zarathustra proklamiert „Mein Gott müsste tanzen.“ und einen toten Körper am Seil hinter sich herzieht um seine Abscheu gegen den Materialismus zu demonstrieren.

Apollo, Dionysos und Kybele

Dionysos ist der buchstäbliche „Bad Guy“ und hat seinen Spaß daran. Die dritte Figur im magischen Flohzirkus ist der blonde, blauäugige Gott Apollo, der Mönchskrieger. Die großgewachsen Elben aus Tolkiens „Herr der Ringe“Trilogie Wo Dionysos den Erbsenzähler noch verabscheut und doch sein Geld gerne nimmt, hasst Apollo alleine den Gedanken an Geld. Apollo lebt weder rein körperlich wie Kybele oder rein seelisch wie Dionysos, sondern Apollo lebt rein im Geist und das ist der göttliche, wie auch der vollkommen teuflische Teil der Magie. Apollo ist Jesus, der die jüdischen Geldwechsler aus dem Tempel vertreibt, er ist der Sakralkönig Mohammed, der die Horden der Araber in die Schlacht führt. Für Kybele ist der Tod der einzige Gott, für Dionysos ist der ewige Kreislauf von Werden und Vergehen, die ewige Wiederkehr verkörpert in Brot und Wein doch Apollo trachtet danach den Tod zu überwinden. Treibt Kybele Magie für Geldsegen und Liebesglück, treibt Dionysos das Interesse und die Freude am Spiel und Apollo die Wandlung zum Gottkönig.

Das „Magische” ist das letzte verbliebene Schlüsselwort der Wissenschaften. „Magisch” nennen wir alles das, was wir an Kulten vergangener Religionen als verwaschene Niederschläge alter Religionen, alter Gotteserkenntnisse noch nicht richtig wissen und nicht begreifen. Denn — wenn wir wieder ganz ehrlich sein wollen — wir wissen gar nichts von der Kulturhöhe, der Höhe der Geistesentwicklung jener angeblich „primitiven Gemeinschaftskulturen”. Und niemand hat noch den Beweis erbringen können, dass es tatsächlich „keine Buchstabenschrift in der jüngeren, geschweige denn in der älteren Steinzeit gab” und es unbedarfte Wilde war, die zerzaust vom Sturm der Elemente, hungernd und frierend in Höhlen hausten.

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