Die Soldiers of Odin und die heidnische Renaissance

Die „Soldiers of Odin“ oder SOO begannen angesichts der Flüchtlings im Oktober 2015 als Nachbarschaftswache in der finnischen Kleinstadt Kemi und erfuhren nach den Ereignissen von Köln rapides Wachstum. Heute patrouillieren Mitglieder der Organisation durch die großen Städten Finnlands, Norwegens und Schwedens und es beginnen sich Strukturen jenseits des großen Teichs in Kanada und den USA zu bilden. Zeit für eine nähere Betrachtung.

Wer sich mit den Auswirkungen der Flüchtlingskrise bei unseren nördlichen Nachbarn beschäftigt, kommt dabei an zwei Persönlichkeiten nicht vorbei. Das ist einerseits die dänische Journalistin Iben Thranholm und ihr schwedisches Gegenstück Ingrid Carlquvist

Insbesondere Thranholm erfuhr starke Kritik aufgrund zahlreicher Auftritte auf Russia Today, in denen sie im wesentlichen erläutert, dass sich sowohl europäischer Männer als auch Politiker wie die Katzenliebhaberin von nebenan verhalten, die Flüchtlinge mit Ersatzkindern verwechseln.

Dies trug ihr insbesondere Diffamierungen als russische Agentin ein. Carlquvist vertritt im wesentlichen ähnliche Position unterscheidet sich aber in ihren Lösungsansätzen. Während Thranholm gelebtes Christentum am Beispiel von Russland als Vorbild sieht, betrachtet Carlquvist die Rückkehr zu den alten Göttern der nordischen Mythologie die Antwort.

Die Rückkehr der Neuheiden

Die Position von Carlquvist ist bei näherer Betrachtung nicht so absurd, wie sie im ersten Moment klingt. Tatsache ist, dass in Island unlängst der erste heidnische Tempel der Neuzeit eröffnet wurde und man keinen friedliebenderen Nationalismus als den der kleinen Atlantikinsel finden wird. Im Vergleich dazu, wuchs sich das neue Onlineportal der norwegischen Kirche zum vollständigen Desaster aus.

Während das Webportal eigentlich mit der Zielsetzung antrat neue Gläubige zu gewinnen, nutzen allein am ersten Tag 10,854 vorhandene Mitglieder die nun Online verfügbare Austrittsfunktion. Während im Vergleich Wicca im englischsprachigen Raum, das Druidentum in Deutschland oder Asatru im hohen Norden seit Jahren anhaltend hohes Wachstum zeigen. Dies zeigte sich nicht zuletzt im US-Wahlkampf als auch Donald Trump Memes in Gestalt der altägyptischen Gottheit Kek auftauchten.

Geschichte wiederholt sich nicht, sie reimt sich

Aus unserer Schulausbildung sind wird eine lineare Sicht auf die Geschichte gewöhnt, in der alles entweder konstant regelmäßig schlechter oder eben besser wird. Im Gegensatz dazu, stehen die zyklischen Geschichtsbilder bspw. des deutschen Geschichtsphilosophen Oswald Spengler, der ein zyklische Geschichtsbild vertritt. Hauptaussage Spenglers ist, dass Gegenstand der Geschichte nicht die gesamte Menschheit, sondern jede einzelne Zivilisation für sich ist.

Für Spengler unterscheiden sich die Großkapitalisten am Ende der römischen Republik nur graduell von den heutigen Giganten der Wallstreet. Insbesondere interessant, ist was Spengler zu Religion und ihrer Entwicklung zu sagen hat. Nach Spengler steht der heutige Islam in seiner 2. Blüte, die er für eine Scheinblüte hält.

In der ersten Wachstumsphase jeder Religion tritt ein Religionsstifter auf, der zu harschen gesellschaftlichen Neuerungen und Änderungen im sozialen Leben führt. Seine Lehren verwässern dann über die Jahrhunderte, bis es zu einer zweiten, späteren Welle der Religiosität kommt. Im Gegensatz zur Entstehung, kann diese Scheinblüte nichts Neues mehr erschaffen, sondern ist ein letztes Klammern an überkommene Traditionen und Werte und mündet schließlich im vollständigen Zusammenbruch der Gemeinschaft.

Vereinfacht erklärt, hält Spengler die abendländische wie auch die orientalische Kultur für überlebt. Während er dem Russentum nach Überwindung des Kommunismus seine eigentliche Blüte voraussagt.

Was bedeutet das für die Soldiers of Odin

Die meisten Organisationen entstehen aus einem ernsthaften sozialen Anliegen. Persönliche Sicherheit und Schutz des Eigentums sind sicher ernsthafte Anliegen und das starke Wachstum der Organisation ist Beweis für den Bedarf.

Gleichzeitig ist die Verwaltung des Wachstum eine der größten Herausforderungen jeder Struktur und wie Blasen- oder Hypes mal für mal beweisen, ist nicht alles Gold was glänzt und viele Dinge scheitern an ihren eigenen Erfolgen. Der griechische Feldherr Pyrrhus bemerkte dazu richtig

Noch so ein Sieg und wir sind verloren.

Die Schicksalsfrage der SOO wird sein, ob sie ihr Wachstum in eine Vision verwandeln können, die eine dauerhafte Verbesserung der Lebensverhältnisse aller Mitglieder unabhängig von Rasse, Geschlecht und Herkunft verspricht.

Die Frage der letztendlich religiösen Erdung des Menschen erkennen Carlquvist und Thranholm dabei richtig als Problemfeld.

Unabhängig davon, wie man zu Religion auch immer stehen mag, Tatsache bleibt, dass große Veränderung immer nach Opfern jedes Einzelnen verlangen.

Es mag Menschen geben, die sich vorstellen können zum Wohle „Mutti Merkel“, des Finanzamts oder der GEZ ernsthafte Einschnitte in ihrer persönliche Lebenssituation zu akzeptieren. Letztendlich halte ich das aber für eine Aufgabe, die nur der Religion zu kommen kann.

Das beste Werk zur Entstehung und Entwicklung von Massenbewegungen ist dabei vermutlich nicht das bekannte “Die Psychologie der Massen” von Gustave Le Bon sondern “The True Believer” von Eric Hoffer.