Türkei undercover, was das System Erdogan bedeutet

Ich habe 2010 in der Türkei studiert. Und da war die Welt noch in Ordnung und zwar mit Ausnahme der „Deutsch-Türkinnen“ die an derselben Hochschule studierten. Tatsache ist, die beiden Mädels waren der Alptraum der Universitätsverwaltung. Universitäten sind anders strukturiert in der Türkei.

By Aykut Uludağ [CC BY 2.0 (http://creativecommons.org/licenses/by/2.0)], via Wikimedia Commons

Es herrscht die Campus-Bauweise vor. Um auf den Campus zu gelangen, muss man zuerst Studierendenausweis vorzeigen und den Wachmann passieren. Kommt man mit dem Bus, macht der Wachmann seine Runde und Damen mit Kopftuch müssen dann bitte aussteigen. So war das 2010 zumindest.

Meine Deutsch-Türkischen Kolleginnen wollten das freilich nicht akzeptieren und haben sich einen 2-wöchigen Kampf mit der Universitätsleitung geliefert. Am Ende haben sie eingelenkt. Sie trugen dann eine Perücke und darüber einen völlig bescheuerten Hut. Wäre sie nicht „Ausländerinnen“ gewesen, man hätte ihnen das niemals gestattet. Unter Kommilitonen hießen sie immer nur „die Pinguine“.

Wie sich die Türkei verändert hat

Die säkulare Türkei ist tot. Der Kemalismus ist tot und der Glaube an Fortschritt und Verbesserung ist tot. Symbol für den Fortschrittsglauben der Türkei war seit jeher der Tofaş (von „Türk Otomobil Fabrikası Anonim Şirket“)  ein Joint Venture mit Fiat.

By Mr.choppers (Own work) [CC BY-SA 3.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0) or GFDL (http://www.gnu.org/copyleft/fdl.html)], via Wikimedia Commons

Der Vertrieb der Automarke wurde im Jahre 2003 eingestellt. Kurz davor erreichte die AKP die absolute Mehrheit im türkischen Parlament und seit damals hat sich viel im Land geändert.

Bei allen Veränderung muss stets bedacht werden, dass dies ohne eine weitgehende Kontrolle der Medienlandschaft niemals möglich gewesen wäre. Und es ist klar, wie es soweit kommen konnte. Die Zuschläge bei Großbauprojekten wurden an die Bedingungen geknüpft, Medienhäuser aufzukaufen und auf Regierungslinie zu bringen, wie die Geschenisse um den 3. Istanbuler Flughafen beweisen Und deshalb müssen wir besonders achtsam sein.

Was die Zukunft verspricht

Die Türkei besitzt mittelfristig weder die Rohstoffvorkommen noch die industrielle Basis um etwaige Großmachtsfantasien auch zu bezahlen. Tatsächlich weist die Türkei ein respektables Außenbihandelsdefizit aus, dass durch Finanzhilfen, Tourismus und Auslandinsvestionen geschlossen werden muss. Fallen diese Posten weg oder gehen sie deutlich zurück, was wahrscheinlich ist, bleibt vermutlich nur ein einziger Ausweg – mehr Faschismus.

0 Kommentare

Dein Kommentar

Want to join the discussion?
Feel free to contribute!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.