Dorfplatz Pakistan

Pakistan: Dorf-Älteste verurteilten unschuldige Teenagerin zur öffentlichen “Rachevergewaltigung” für die mutmaßlichen Verbrechen ihres Bruders.

Nach Meldungen der BBC wurden 20 Männer in Multan, Pakistan aufgrund einer mutmaßlichen “Rachevergewaltigung” an einer Minderjährigen verhaftet.

Das Dorftribunal hatte die Strafe über das Mädchen verhängt, nachdem ihr Bruder beschuldigt wurde eine 12-Jährige Verwandte vergewaltigt zu haben.

Der Mann soll seine 12-jährige Cousine beim Grasschneiden überrascht und anschließend in den Feldern vergewaltigt haben. Nachdem sie ihren Bruder vorm Vorfall berichtete, wandte er sich an die Dorfältesten. Als Vergeltung wurde die „Rachevergewaltigung“ der Schwester des mutmaßlichen Täters vor Augen von Eltern und Dorfgemeinschaft verfügt.

Nach Meldungen einer pakistanischen Zeitung wurde das Urteil vollstreckt und vor den Augen der Eltern der beiden Mädchen durchgeführt, die sich anschließend an die Polizei wendeten. Nach derzeitigen Stand der Ermittlungen sollen insgesamt 40 Männer in das gesamte Verfahren verstrickt gewesen sein. 20 von ihnen darunter desrVorsitzende des Tribunals wurden mittlerweile verhaftet.

Die Suche nach den übrigen Verdächtigen läuft. Der Fall erinnert damit an den Fall der bekannten pakistanischen Frauenrechtsaktivistin Mukhtar Mai, der international für Aufsehen sorgte.

Die Frauenrechtlerin Mai wurde als Minderjährige vom Dorfrat zu einer Gruppenvergewaltigung verurteilt, nachdem ihr Bruder eine heimliche Beziehung zu einem Mädchen aus einem verfeindeten Clan unterhalten haben soll.

Viele Frauen begehen nach Vergewaltigung in Pakistan Selbstmord, sodass das Stellen einer Strafanzeige durch Mai bis zum damaligen Zeitpunkt höchst ungewöhnlich war. Auch im aktuellen Fall, wurden die Anzeigen zweimal aufgenommen.

Die damaligen mutmaßlichen Täter wurden verhaftet und verurteilt im Revisionsverfahren allerdings bis auf einzigen Täter wieder freigesprochen. Die führte zu einem internationalen Sturm der Entrüstung in den schließlich sich der Staatschef des Landes persönlich eingreifen musste.

Mit Mitteln aus Entschädigungszahlen der Regierung gründete Mai schließlich die Mukhtar-Mai-Stiftung die sich für Bildungschancen und medizinische Versorgung für Frauen in Pakistan einsetzt. Zusätzlich erreichte sie, dass ihr abgelegenes Dorf sowohl eine Polizeiwache als auch einen Stromanschluss erhielt.

Die 2005 veröffentlichte Autobiographie, Die Schuld, eine Frau zu sein, wurde schließlich zum Bestseller und in zahlreichen deutschsprachigen Medien rezensiert.

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