Die Verbreitung des Islam und der “True Believer”

Über die Verbreitung des Islam bis zum Zerfall des arabischen Reichs und seinen Zerfall in Teilstaaten gefolgt vom Aufstieg des osmanischen Reichs sind viele Vorurteile und Missverständnisse vorhanden. Grund genug darauf einzugehen.

Der Islam hat sich durch Gewalt verbreitet

bücherregal

Ja, das hat er, in einer schmalen Phasen nach Tod des Propheten Mohammed, unter den beiden Kalifen Abu Bakr und Ömer. Um das zu verstehen möchte ich auf ein Buch mit dem Titel „The True Believer“ verweisen. Dabei geht es mehr um Massenbewegungen an sich als um den Islam im Detail. Allerdings lässt sich das Grundprinzip relativ einfach übertragen.

Alle Massenbewegungen wie der Islam auch eine ist, haben 4 Phasen:

  • die Intellektuellen
  • die Fanatiker
  • die Pragmatiker
  • und die Mitläufer

Jede Geschichte beginnt einer Idee, bspw. dem einen allumfassenden Gott und seiner Verkündigung durch Mohammed. Entscheidend ist, dass reine Verkündigung nie wirklich gut funktioniert, weil den meisten Leuten, alles inklusive Gott am Arsch vorbei geht.

Wenn morgen die Welt untergehen würde, würden sich die meisten etwa um 23:57 die erste Gedanken machen, ob das Donnern und Grölen eine tiefere Bedeutung hat. Entsprechend war den allermeisten Leuten der Prophet in Mekka einfach egal. Und sie haben ihn hauptsächlich verarscht.

Nachdem er das sonderlich gut aufnahm, kam es zu häufigeren Streitereien bis die Muslime in der ersten Hidschra nach Äthiopien und dann nach Medina auswanderten. Erst in Medina konnte sich der Islam dauerhaft etablieren, weshalb mit dem Jahr 622, der 2. Hidschra, auch der islamische Kalender beginnt.

Ömer und der Vergleich zum Christentum

feuer

Es gibt kein wirkliches Wachstum einer Bewegung ohne Zwang. Eine Gruppe ist dann eine Gruppe aber eine unter vielen. Das war beim Christentum nicht großartig anders und der wirkliche Aufschwung kam erst mit der Übernahme des Christentums als Staatsreligion.

Davor war das Christentum eine unter vielen verschiedenen Religionen Roms. Entscheidend ist, dass diese Phase des Wachstums eine ganz besondere Form des Anhängers benötigt. Den sogenannten „Wahren Gläubigen“ oder „True Believer“. Der Intellektuelle zu Beginn jeder Entwicklung, wie bspw. der Prophet prangert einen Missstand an und er hat auch allen Grund dazu. Danach kommen die Fanatiker.

Ein Fanatiker hat den Glauben an sich selbst verloren. Er denkt, dass sein Leben vorbei ist und deshalb benötigt er eine Sache, um morgens aufzustehen. Das war der Fall von den Prophetengefährten Ömer, den späteren Kalifen. Sein Glück war einfach am Ende. Weil das eben ist, wo Alkohol, Frauen und Glücksspiel üblicherweise enden. Irgendwann geht das nötige Glück aus.

Er schloss sich dem Propheten an und sein Leben entwickelte sich sehr positiv. Und genau das machte ihn gefährlich. Das Verbot des Alkohol stammt von Ömer, die Steinigung bei Ehebruch stammt von Ömer. Und er wusste ganz genau, weshalb. Jeder Heilige hat schließlich eine Vergangenheit und jeder Sünder eine Zukunft. Allerdings durften jene die in der Schlacht auf die Armeen Ömers treffen, auf nicht allzu viel Mitleid bauen.

Die letzten Prophetengefährten

Nach Ömer sehen wir Uthman und Ali, die letzten der recht geleitenden Kalifen, denen das Schicksal nicht allzu gnädig gestimmt war und die letztlich vom Realpolitiker Muawiya. Ja, Fanatiker sind in aller Regel ohne Mitleid und ohne Gnade und ebenso wenig sind sie korrupt.

Weshalb die junge Umma unter Ömer große Gebietsgewinne verzeichnen konnte und die Leute von der byzantinischen und persischen Verwaltung genug hatten. Es war sicher unschön, was Taliban mit Drogenbaronen oder Kinderhändlern taten und genau so wenig gab es sie dann auch im Afghanistan jener Zeit. Mit Uthman wurden die Verhältnisse grundsätzlich anders, da überwiegend Verwandte in wichtige Positionen holte, etwas, das Ömer noch strikt abgelehnt hatte.

Und nach seiner Ermordung und der Übergabe an Ali brachen diese Konflikte dann auch. Uthman ernannte seinen Verwandten zum Gouverneur der reichen Provinz Syrien und er hatte keinerlei Interesse, diese Position nach dem Antritt Alis zu räumen. Damit begann die erste große Zerreißprobe des Islam, der sich später in Sunni und Shia spaltete.

Muawiya war ein Pragmatiker. Er tat was er tun musste und hatte damit Recht schnell die Mehrheit auf seiner Seite. Ali hingegen gehörte noch zur ersten Generation der überzeugten Anhänger des Propheten und damit hatte er ziemlich schlechte Karten. Dieses Kapitel war einfach abgeschlossen und es begann das Reich der Umayyaden.

Unter der Herrschaft der Umayyaden erreichte da arabische Reich seinen größte Ausdehnung und der Grund waren im wesentlichen Mitläufer. Wenn eine Gruppe groß genug wird, werden sich immer Mitläufer finden, die sich Vorteile versprechen.

Die Mitläufer

Im einfachsten Fall ist das, das Entfallen der Dschizya (Kopfsteuer) die für Christen und Juden unter muslimischer Herrschaft anfiel. Das arabische Reich herrschte zu diesem Zeitpunkt über eine Vielzahl an Völkern und den Sprung nach Europa trieben weniger die Araber im fernen Damaskus sondern die Stämme der Berber an der Küste Nordafrikas.

Und wie das am Ende einer Party meistens so ist, es ist einfach nicht mehr besonders viel zu holen. In heutigen Spanien erblühte das Emirat von Cordoba und Grenada die Heere Karl Martell sollten die Westexpansion an dieser Stelle beenden. Im Osten scheiterte da Kalifat an der Einnahme Konstantinopels und jenseits der Gebirgsketten des Kaukasus und Zentralasiens, hielten die Chasaren und Tang Kaiser der Chinesen der islamisches Expansion stand.

An dieser Stelle war genug Reichtum angehäuft und statt nach außen begann die Entwicklung des Reiches nach innen. Bagdad erblühte und die arabisch/islamische Welt wurde Vorreiter in Wissenschaft, Technik, Philosophie und Medizin. Und das ist das ewige Dilemma der Geschichte, wie der Geschichtsschreiber Ghazzali feststellt.

Der Untergang

ruinen wüste

Eine große Zivilisation beginnt immer mit fast nichts und wenigen von Verzicht und ihrer Mission durchdrungenen Kriegern. Sie besiegen die umliegenden reicheren Städten und Gesellschaften, die an das gute Leben gewöhnt sind und denen nichts ferner liegt als zu kämpfen. Zu Beginn noch Söldner, werden die Krieger schon bald zu ihren Herren. Bis sie selber fett und faul werden und von einer kriegerischen Gruppe überrannt werden. Im Fall des arabischen Reichs waren das Mongolen. Und der beginnende Mongolensturm traf Bagdad hart. Ein Großteil der Bevölkerung wurde getötet und versklavt und das Glanzlicht der islamischen Zivilisation in Schutt und Asche gelegt. Ein Schlag, von dem es sich nie wieder erholte.

Die Befürchtungen in Europa zielen also nicht darauf, dass die Muslime besonders expansiv wären, die Mongolen waren weit schlimmer. Die Befürchtung lautet dass man selbst fett und faul geworden ist. Und ich verstehe weshalb.

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