Die Geschichte hinter Ömer

Koran Illustration

Die für mich beeindruckendste der vielen Erzählungen ist die Geschichte des zweiten Kalifen Ömer (Umar). Ömer war ein Schläger, Säufer und Spieler und später einer der bedeutendsten Feldherren, Theologen und Staatsmänner der frühen islamischen Gemeinschaft.

Seine Geschichte lässt sich einfach zusammenfassen, jeder Heilige hat eine Vergangenheit und jeder Sünder eine Zukunft. Nur wir können, das im Normalfall nicht alleine schaffen.

Der ewige Außenseiter

Zu Beginn einer großen Reise steht meist ein Ausgestoßener, in diesem Fall Ömer. Er war einen guten Kopf größer als alle anderen Männer und Frauen wie Männer fürchteten ihn gleichermaßen. Das machte ihn vor allem eines, jähzornig. Er wusste, dass der leichteste Weg etwas zu bekommen, darin bestand mit Gewalt zu drohen. Am Ende blieben ihn damit, die Säufer, die Huren und das Glücksspiel.

Wenn wir uns das heutige Leben vieler islamischer Jugendlicher in Deutschland ansehen, ist das nicht viel anders. Und am Ende der Geschichte steht der Held, der Jerusalem eroberte ohne zum Schwert zu greifen oder einen einzigen Tropfen Blut zu vergießen. Als ihn die Priester einluden sein Gebet im Felsendom zu verrichteten, antwortete er

Nein, wenn ich heute in der Kirche bete, wird sie ein späterer muslimischer Herrscher in eine Moschee verwandeln und das ist nicht unsere Sache.

Das Beispiel Ömer

Die Geschichte Ömers wird oft als ein Beispiel für die Wunder des Islams angeführt. Ich persönlich halte sie vielmehr für den Verdienst eines einzigen Mannes – Abu Bakr. Ja, der Koran ist das Wort Gottes und gleichzeitig ist es ein Buch. Bücher verändern nicht die Welt, Menschen tun es. Und neben dem Propheten s.a.w, war das insbesondere die erste Generation, die auf ihn folgt, die Sahaba oder Prophetengefährten.

Wir alle, sind gesegnete Menschen mit einer Unzahl an Talenten und Möglichkeiten. Grundsätzlich stehen uns zwei Dinge immer im Weg.

  1. Wir wissen nicht, welche gigantischen Möglichkeiten in uns schlummern
  2. Keiner von uns ist mit allen Talenten gesegnet

Die Moral lautet, dass wir ohne unseren nächsten alles und nichts sind. Das Positive daran ist, dass Gott genau die Menschen in unser Leben führt, die wir in unserer jeweiligen Lebensphase brauchen. Und im Fall des impulsiven und gewalttätigen Ömers, war es der ruhige und bedachte Abu Bakr.

Beziehungen im Islam

Gott liebt die Vielfalt und ein kurzer Blick in unsere Umgebung wird uns das bestätigen. Wenn wir immer mit denselben Menschen zusammen sind können wir nichts lernen. Was hätte die anderen Säufer Ömer lehren können, dass er nicht schon wusste ? Und was war Ömer ferner als der Prophet und sein treuer Gefährte Abu Bakr ?

Und doch haben wenige Menschen in der Geschichte des Islam mehr geleistet. Im Grunde sagt uns zwei Dinge, wir wissen überhaupt nicht, wozu wir fähig sind bevor wir es versuchen. Und wir brauchen manchmal eine leitende Hand, die uns aus unserem eigenen Elend führt.

Generell benötigen Menschen die Religion an einer Stelle in ihrem Leben ganz besonders und zwar bei Veränderung, das kann eine Veränderung zum Guten oder eine Veränderung zum Schlechten sein. Entscheidend ist vielleicht, dass Gott sehr oft durch Leid und Schmerz wirkt.

Die Rolle von Scheitern und Schmerz

Gott lässt keinen Schmerz ungenutzt vergehen. Es ist ein tiefer Schmerz, einen nahen Angehörigen zu verlieren, gekündigt zu werden oder eine Beziehungen zerbrechen zu sehen. Und genau so ist es eine Lektion. In aller Regel ist ein Verlust, nicht das Ende und auch nicht der Anfang vom Ende, sondern nur das Ende vom Anfang.

Am Ende des Tages gibt es niemand besseren, um einen durch eine Scheidung zu helfen, als jemand der es selber erlernt hat. Keinen besseren, um über Schmerz hinweg zu finden, als der der ihn kennt. Und es existiert niemand besserer, um den Islam zu verbreiten als ein gewesener Säufer, Spieler und Schläger.

Letztendlich muss man selber ganz unten angekommen sein, um seine Mitmenschen davor zu warnen. Das ist genau wie ich mir Abu Bakr vorstelle. einen weisen alten Mann, der auf Ömer blickte und sich selber in ihm erkannte, um hinter einem milden Lächeln zu denken.

Ach du dummer, kleiner Junge, früher war ich ganz genau so wie du.

Kirchen werden nicht aus Stein gebaut werden, sondern aus Menschen.

Von Fischern und Bauern

Letztendlich gibt es zwei Arten von Fischern. Es gibt die Fischer, die ihren Fisch kennen, die Mohammeds und Abu Bakrs. Die die Wasser des Lebens vermessen haben. Die ihre Untiefen und Erhebungen, ihre Zuflüssen und Sandbänke kennen. Die die bereit sind, für einen einzelnen Fisch durch Kilometer an Morast zu stampfen.

Und es gibt die Art von Fischern, die man nie weiter als 20 m von der Straße finden wird. Sie kennen schon alle Antworten. Packen ihren Liegestuhl dort aus, wo es am bequemsten scheint und pflanzen ihren eigenen Köder neben all die anderen.

In der Regel ist dann der Fisch schuld, wenn er zu verwestlicht und unislamisch oder untürkisch ist zuzubeißen.

Die wahre Geschichten im Islam sind, dass ein Teil der Saat immer auf den Weg fällt und zertreten wird. Einen weiteren Teil fressen die Vögel. Manches fällt auf Dornen oder auf Fels.

Am Ende zählt nur der Teil, der auf fruchtbare Erde fällt und die hundertfache Ernte trägt. Gott bereitet den Acker und das Wort ist der Samen. Ömer ist ein Beispiel dafür. Um wer sind wir, über andere zur richten, wenn sich Gott selbst bis zum Jüngsten Tag dafür Zeit lässt.

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