Bewältige deine Ängste

18. Apr 2017 @ 14:54

Mann hinter Baum

  • Welchen Nutzen dir dein Angst-Gefühl bringt
  • Wie diese Emotion richtig nutzt
  • Und damit das Beste für dich erreichst

Als ich 7 Jahre alt war, stahl mir Philipp jeden Tag meinen Ovomaltine Riegel.

Wir waren Freunde, wir tollten gemeinsam durch den Klassenraum und sobald es Mittag wurde, sagte er mir „Gib mir den Riegel“ und ich tat es.

Ich erzählte das meiner Mutter und sie sagte, ich müsse für meine Interessen einstehen:“Sag einfach nein.“, meinte sie. Um ehrlich zu sein, machte ich mir ernsthafte Sorgen, wie Philipp damit zurechtkommen würde. Vielleicht würde er mich verprügeln und vielleicht wären wir dann keine Freunde mehr.

„Fühle die Angst und dann mach was du glaubst.“, erklärte mir meine Mutter.

Ich ging also den nächsten Tag in die Schule. Der Unterricht war mir mehr oder weniger egal und ich bereitete mich geistig auf den kommenden Showdown zwischen mir und Philipp vor. Als die Glocke um 11:45 Mittag einläutete, stand Philipp bereits hinter mir. „Gib mir deinen Riegel“, sagte er.

Mein Herz raste und meine kleinen Hände zitterten.

„Nein“ sagte ich „ich gebe dir meinen Ovomaltine Riegel jeden Tag, es reicht.“

Philipp zuckte mit den Schultern und ging weiter. Ich konnte kaum glauben, wie einfach das war. Ich aß also meinen Riegel, den köstlichsten Riegel den Ovomaltine jemals hergestellt hatte.

Zuhause angekommen, wollte meine Mutter wissen, wie die Sache ausging. Ich ballte meine Faust und antwortete voller Stolz:“Ich habe mich durchgesetzt

Umarme die Angst

Mit 7 Jahren war ich bedeutend ehrlicher als heute.

Ich konnte offen zugeben, dass ich mich fürchtete. Für mich war die Angelegenheit wichtig und das konnte ich so offen aussprechen. Ich musste nicht vorgeben, ein besseres Kind zu sein, das gerne teilte, indem ich Philipp meinen Schokoriegel einfach überließ.

Zwischen 7 und 16 änderte sich das grundlegend. Mir wurde beigebracht, dass ein Indianer keine Furcht kennt und man sich für seine Gefühle schämen müsse und es nur gerecht wäre meinen Schokoriegel mit Philipp zu teilen. Da scheiß ich drauf. Ja, ich fürchte mich und stehe dazu.

Später habe ich begriffen, dass der Lehrerin mein Schokoriegel und meine Person vermutlich am Arsch vorbei geht und sie einfach einen ruhigen Unterricht abhalten möchte.

Sehen wir als Erwachsene unseren Ängsten ins Gesicht, natürlich nicht, wir geben einfach vor, es wäre keine große Sache.

Wir fürchten uns nicht davor, eine Diskussion zu beginnen. Wir möchten einfach nicht egoistisch wirken. Wir scheuen uns nicht davor, in Konflikte zu führen, sondern möchten unnötigen Stress vermeiden. Wir haben keine Angst davor, neue Freunde zu finden, sondern die Zeit ist knapp und viele Veranstaltung schlicht langweilig. Wir sind keine Gesellschaft, voller seltsamer Einzelgänger, sondern haben einfach gern Facebook/WhatsApp/Instagramm auf unserem Smartphone.

Meine Mutter hat mir beigebracht, zu meinen Gefühlen zu stehen und zu sagen, was ich wirklich denke. Ich kann ruhig dastehen, tief Luft holen und voller Überzeugung aussprechen „Ich möchte das nicht tun.“, um es dann trotzdem umzusetzen.

Der Tod und weshalb es halb so schlimm ist

ScheiterhaufenDenke dich selbst im Moment des Todes vor ? Woran denkst du, wenn du auf dein Leben zurückblickst, was würdest ändern, worauf bis du Stolz ?

Siehst du dich selbst in Hölle oder Paradies ?

Jede Seele soll den Tod kosten und erst am Tage der Auferstehung, soll sie ihren vollständigen Lohn erhalten. – Sure 3,185

Jeder Mensch wurde geboren, um zu sterben, dass ist ein Gedanke, den wir sehr ungern wahr haben möchten und doch wird es geschehen. Oft möchten wir über diesen Prozess nichts wissen, das widerspricht allerdings dem Geist des gläubigen oder spirituellen Menschen. Wir sollten alles über den Tod lernen, um unser Leben entsprechend zu nutzen.

Eigentlich sind sie nur Nachts zu sehen, die Aghori, die schwarzen Geister der heiligen Totenstadt Varanasi an den Ufern des Ganges. Nach meiner Scheidung beschloss ich auf eine Reise zu gehen. Ich hatte immer schon eine Vorliebe für Dunkles und Zerbrochenes und in dieser Phase meines Lebens besonders.

Dies liegt vielleicht an meinem persönlichen Lebenswandel. „Gott ist allumfassend, es gibt einen hellen Weg zu Gott und es gibt einen dunklen Weg zu Gott.Sie haben den Dunkeln gewählt.“, erklärt mir ein Fremdenführer. Und dies wird in der gesamten Stadt sichtbar. Das Sterben und Verbrennen in Varanasi soll den Ausweg aus den immerwährenden Zyklus aus Geburt, Tod und Wiedergeburt bedeuten, an den die Hindus glauben.

Die Feuer gehen in Varanasi niemals aus und der stetige Ascheregen verwandelt die Totenstadt in eine der schmutzigsten Städte Indiens. Von dem, das von den Verstorbenen an den Scheiterhaufen bleibt nähren bleibt sich die Aghori. Es wirkt fast surreal. Aus den Knochen und Schädeln fertigen sie ihre Bettelschalen.

Vom Ableben und Jüngstem Gericht

Eigentlich kann es die Aghori nur in Indien geben. Sie finden sich um viele Feuerplätze des Riesenstaates und vereinzelt im benachbarten Nepals. Alles, das Hindus für unrein halten, gilt den Aghori als Abkehr von der Welt einen Schritt näher an Gott. Sie leben in den Kanälen, bewegen sich vorwiegend nachts, reinigen sich mit der Asche der Toten und essen verbotenes Fleisch.

Ein Blick in die Augen eines Aghori zeigt, dass sie nicht so sehr bösartiges oder gefährliches in ihnen spiegelt, sondern ein vielmehr tiefes, unbeschreibliches Dunkel, das von ihrem gesamten Wesen Besitz ergriffen hat. Die Aghori meiden andere Menschen und nachdem ich ihn und er mich erblickte, ist er wieder im Schatten der Nacht verschwunden. Der Anblick war mir die Reise wert. Um das zu verstehen, muss ich etwas mehr über mich erzählen.

Es gibt etwas, das ich Schattenarbeit nenne möchte. Schattenarbeit ist das, was passiert wenn wir uns entscheide ein glücklicheres, erfolgreiches und besseres Leben zu führen und uns damit unserer Vergangenheit nach so vielen Jahren der Flucht, in die falsche Richtung endlich zu stellen. Wir alle leiden unter Traumata und inneren Schmerzen, die uns unser ganzes Leben lang zurückhalten. Wir können entweder normal sein oder unser Potential nutzen.

Die meisten entscheiden sich, normal zu sein, bis sie daran zerbrechen. Zurückgeworfen auf sich selbst, ziehen sich in sich selbst zurück, verpuppen sich und steigen aus der Asche ihres alten Lebens, der zerbrochenen Träume und Enttäuschungen aus als wunderschöner Schmetterling empor. Die das nicht schaffen, werden allzu häufig entweder ein lebenslanger Sozialfall oder nehmen sich irgendwann den Strick.

Das ist aus meiner Sicht immer der falsche Weg. Wir sollten alle sein, wer wir eigentlich schon sind. Wir sollten sein, wozu uns der große, allmächtige Gott geschaffen hat. Viele halten das Sterben für das Gegenteil zum Leben. Das ist grundlegend falsch.

Vom Leben und Sterben

Sterben ist das Gegenteil der Geburt. Und er ist meiner Auffassung nach, in den meisten Fällen weit weniger blutig. Leute die den Tod fürchten, fürchten in den meisten Fällen das Leben. Eine der bekanntesten Geschichten ist in diesem Zusammenhang das Ende von Isidor Strauss, einem bekannten amerikanischen Politiker und Geschäftsmann und seiner Ehefrau Ida Strauss, die eng umschlungen im Schiffsunglück auf der Titanic ihr Leben verloren, als das eiskalte

Wasser des Nordatlantiks in ihre Kabine schoss.

Der Schriftsteller Elbert Hubbart bemerkte dazu:

Mr. und Mrs. Straus, ich beneide Sie um das Vermächtnis der Liebe und Loyalität, das Sie ihren Kindern und Enkeln hinterlassen haben. Den stillen Mut, den Sie in Ihren langen Leben und erfolgreichen Karrieren hatten, besaßen Sie auch im Tod. Sie wussten, wie man die großen Dinge tut – wie man lebt, wie man liebt und wie man stirbt.

Die entscheidende Erkenntnis daraus ist, dass weder unser Geburtsdatum noch der Sterbetag wirklich zählen, sondern einzig und allein der Strich dazwischen.

Tradition ist die Weitergabe des Feuers, es ist nicht die Anbetung der Asche.

Tatsächlich muss jeder von uns in seinem Leben eine Entscheidung treffen. Wir können im Anblick des Gewitters versuchen zwischen den Tropfen hindurch zulaufen oder wir können akzeptieren, dass wir nass werden. Ich habe mich für zweiteres entschieden und ich muss sagen, dass ich meine Freude am Tod gefunden haben.

Zusammenfassung

Für mich trägt das Ableben etwas von Hoffnung und Erleichterung und hat den Charakter eines guten Freundes, der mich erinnert, meine Zeit auf Erden zu nutzen, als eines Raubtiers, das mir nach dem Leben trachtet: Ich habe meine Mutter an Krebs sterben sehen.

Ich habe gesehen, wie das Leuchten ihrer Augen immer matter und matter, ihre Haut fahler und fahler, die lichten Momente kürzer und kürzer und die Morphiumdosen höher und höher wurden. Ich war froh als sie starb. Als uns die Ärzte die Todesnachricht überbrachten und uns ein letztes mal in ihr Krankenzimmer führten, konnte ich sehen, dass es nicht mehr meine Mutter war. Sie war jetzt an einem besseren Ort und ich konnte innerlich lächeln und ihr an diesem Ort zu dieser Zeit „Lebewohl“ sagen.

Meine Schwester hat diesen Absprung nie geschafft und sie hasst mich dafür.

Handle im Widerspruch zu deinen Gefühlen

Das ist eigentlich ganz einfach. Spürst du Angst, bist du auf dem richtigen Weg, du verlässt deine Komfortzone und bekommst ein flaues Gefühl im Magen. Was jetzt ?

Wenn mir ein kalter Schauer über den Rücken läuft, sich mein Hals beginnt zu verschließen und mein Herz zu rasen beginnt, weiß ich eines ganz genau, ich muss das jetzt machen.

Es bedeutet schlicht, das du auf dem Weg bist, etwas Großartiges zu tun. Das kann der nächste Geschäftsabschluss, ein Vorstellungsgespräch, die nächste Beziehung oder der tolle Italiener an der Ecke sein. Du hast dich bisher einfach nicht getraut.

Die meisten Leute ziehen an dieser Stelle den Schwanz ein, laufen Nachhause, schließen die Fenster und warten auf bessere Zeiten. Und genau deshalb ist das Leben der meisten Menschen ein Haufen Scheiße. Wenn du 100 Frauen ansprichst, wird eine mit dir schlafen, einfach weil sie selber in diesem Moment gerade geil ist. Und wenn du 100 Menschen eine Versicherung verkaufen möchtest, wird sie der eine oder andere nehmen, eben weil er sie gerade braucht.

Der Unterschied zwischen blutigem Anfänger und der vollendeten Perfektion liegt darin, ob einer eine oder fünf aus hundert überzeugt. Das ist alles.

Über das Scheitern

Ein garantierter Erfolg existiert und jeder der etwas anderes erzählt lügt. Es gibt auf der Welt eben nicht nur Philipps sondern auch Kevins und Justins.

Philipp hat mit den Schultern gezuckt und Kevin hätte mir ins Gesicht treten. Und Justin vermutlich auf meinem Grab getanzt. Das liegt dabei nicht an mir, sondern an deren jeweiligen Persönlichkeitsstruktur. Sie verhalten sich anderen gegenüber nicht sonderlich anders.

Ich habe in meinem Leben auch schon Prügel bezogen und meine größte Überraschung lag darin, wie wenig es schmerzt. Einmal wurde ich von einem Auto angefahren und die Prellung der Wirbelsäure war nach zwei Wochen abgeheilt.

Erfolg stellt sich ein, aber vielleicht nicht sofort und Rückschläge gehören zum Leben. Kein Mensch wird daran gemessen, wie oft er hinfällt, sondern wie oft er aufsteht und weiter macht. Die Chancen sein Leben zu ändern, enden lediglich mit dem Tod und der ist in unserer heutigen Gesellschaft, lediglich in Altersheimen häufiger zu Gast.

Deshalb mache ich mir keine Vorwürfe, wenn sich Dinge nicht in meine Richtung entwickeln. Ich bin stolz getan zu haben, was ich für richtig hielt und an dieser Stelle endet es auch.

Mein Gedankenvorgang läuft dabei so ab:

„Ich will nicht ? – Ja.“

„Mache ich es trotzdem ? – Ja.“

Und dann tue ich es, was immer auch kommen mag, ich habe meine Erlaubnis und meine Mutter wäre vermutlich stolz auf mich.

Runden wir es ab:

  • Die besten Ergebnisse wirst du immer erzielen, wenn du deiner Angst ins Gesicht sieht und dann weitermachst

  • Am Ende hast du nichts zu fürchten, außer der Furcht der selbst

  • Das Ergebnis kannst du nicht beeinflussen, dein eigenes Handeln hingegen immer